Dr. Delphin
Doktor Delphin
Doktor Delphin
DelphinBereits seit 1978 forscht der amerikanische Psychiater Dr. David Nathanson, Professor an der Florida International University, in einem Delphin-Therapie-Zentrum in Miami über effiziente Therapiemöglichkeiten für behinderte Kinder. Er fand heraus, daß diese durch die Begegnung mit dem Delphin Angst, Streß und Unruhe verloren und ihre Fähigkeit, sich längere Zeit zu konzentrieren, entscheidend angehoben wurde.
Die Ursache dafür erklärt der Wissenschaftler folgendermaßen: "Die Möglichkeit, mit Delphinen zu schwimmen, sie anzufassen oder mit ihnen zu spielen, stellt einen sehr viel größeren Anreiz dar als das verbale Lob eines Lehrers im normalen Unterricht. Das erhöht und fördert die Motivation der Kinder. Die Anwesenheit der schönen, freundlichen und angenehm anzugreifenden Tiere hat darüber hinaus eine deutlich streßreduzierende Wirkung. Die Kinder sind entspannter und dadurch viel aufnahmefähiger."
Bei den meisten kleinen Patienten sind schon nach wenigen Tagen erste Erfolge zu verzeichnen. Sprachgestörte Kinder lernen zaghaft erste Wörter wie etwa "Delphin" auszusprechen, autistische Kinder beginnen zu lächeln. Trotzdem: Wunder kann die Delphintherapie meistens nicht vollbringen, aber das Schwimmen mit den Delphinen ist praktisch für alle Kinder beglückend und motivierend. Entsprechend groß ist der Run auf die Zentren in Florida. Trotz der hohen Kosten (für 20 Minuten Delphinschwimmen sind ca. 70 US-Dollar zu berappen) sind die meisten Institute voll ausgebucht und haben Wartelisten auf Jahre.
Das Mekka der europäischen Delphinschwimmer ist das Dolphin Reef im israelischen Eilat. In einer abgesperrten Lagune lebt dort eine ganze Delphinfamilie. Das Projekt ist in erster Linie ein Zoologisches Forschungsinstitut, eine Kooperation der Israelis mit der Universität Berlin, das vor allem der Erforschung des Sozialverhaltens und der Kommunikation der Delphine dient. Das Institut bietet jetzt auch Delphintherapie und die Möglichkeit, mit den Säugern zu schwimmen, an.
Der Kontakt mit einem Delphin ist für den Menschen eine wunderbare Erfahrung. Umgekehrt muß das zumindest bezweifelt werden: Nicht nur, daß Delphine seit langem aus kommerziellen Zwecken gejagt und an den Rand des Aussterbens gebracht werden, - es sind auch jene Tiere, die in kleinen Becken gehalten werden, gefährdet. Denn Delphine sind für viele menschliche Krankheiten, wie jene der Atemwege und virale Infekte, besonders anfällig. Dazu kommt, daß Delphine, die intensiven Kontakt mit Menschen hatten und dann ins offene Meer schwimmen und dort mit wildlebenden Artgenossen zusammentreffen, sich nicht mehr verhalten wie diese. Das Sozialverhalten ist gestört, Konflikte können entstehen.
Ein Weg der Selbsterfahrung
Die Erfahrung, im offenen Meer Zuwendung von einem wilden Delphin zu erleben, ist ein seltenes Glück und besonders berührend. Denn diese Tiere sind weder abgerichtet, noch werden sie für ihr Verhalten belohnt. Sie wenden sich dem Menschen aus eigenem Antrieb zu. Dieses Geschenk wurde drei Beduinen aus dem kleinen Dorf Mezzina am südlichen Sinai zuteil. Seit vier Jahren lebt dort an der Küste des Roten Meers ein Delphinweibchen. Viele dieser Beduinen sind taubstumm und haben eine beeindruckende Kommunikation mit dem Tier aufgebaut. Die Laute, die diese Menschen von sich geben, sind den Delphinlauten sehr ähnlich.
„Manchmal hatte ich beinahe den Eindruck, als wären sie halb Mensch, halb Delphin“, berichtet Norbert Trompisch fasziniert über seine Beobachtungen. Die Beduinen kommunizieren mit dem Delphin, empfangen Weisungen und Botschaften. Ihre Verehrung hat durchaus mystischen Charakter. Einer der taubstummen Männer begann sogar wieder zu sprechen. Phänomene, die nicht lange verborgen bleiben konnten. Inzwischen kommen täglich Delphinliebhaber aus der Umgebung angereist, um mit Flossen und Taucherbrille Teil dieses einmaligen Ereignisses zu werden. Streng wachen die Beduinen darüber, daß es Olin - so haben Sie den Delphin genannt - nicht zuviel wird. Aber der scheint der Umgang mit den Menschen zu gefallen. Norbert Trompisch: „Da sie ja nicht eingesperrt ist, kann sie jederzeit auf Distanz gehen.“ Was sie auch tut. Manchmal schwimmt die Delphinin für ein paar Stunden aufs offene Meer - aber dann kommt sie zurück und zieht wieder ihre Kreise. Deshalb hält Trompisch es auch für verantwortbar, zusammen mit einem delphinerfahrenen Kompagnon kleine Gruppenreisen nach Mezzina zu organisieren. Wer also einfache Unterkünfte und eine eher strapaziöse Anreise nicht scheut, hat hier die Möglichkeit, auf einen freilebenden Delphin zu treffen und die Magie dieser faszinierenden Geschöpfe selbst zu erleben.
Zeitschrift "Gesundheit"
